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Hohe Kosten gerechtfertigt?

Röntgenbild des Schweizer Gesundheitssystems

Das Gesundheitswesen ist ein wichtiger Zweig der Schweizer Wirtschaft mit jährlichen Gesamtausgaben von rund 65 Milliarden Franken (2011: 64,6 Milliarden). Das heisst, jeder Schweizer gibt durchschnittlich pro  Monat Fr. 680.- für seine Gesundheit aus. 40% dieser Kosten fallen in der obligatorischen Krankenpflegeversicherung (OKP) an, deren Beitrag ständig zunimmt. Der Preis für neue medizinische Technologien und die hohen Erwartungen der Patienten lassen die  Kosten für die OKP schneller ansteigen als die allgemeinen Gesundheitskosten. Bei diesen hohen Ausgaben stellt sich die Frage nach der sinnvollen Nutzung der Ressourcen – Bilanz eines Bereichs im ständigen Wandel.

Dieses Dossier ist in zwei Teile gegliedert. Zuerst wird über die allgemeine Kostenentwicklung im Gesundheitswesen informiert und danach der von den Krankenversicherern finanzierte Teil aufgezeigt. Nach Erläuterungen zu den Stärken und Schwächen des Systems folgen Vorschläge zu möglichen Reformen, welche die Effizienz des Systems steigern sollen.

Allgemeine Kostenentwicklung im Gesundheitswesen

Im Jahr 2011 betrugen die Gesamtkosten im Bereich Gesundheit in der Schweiz 64,6 Milliarden Franken, was 11% des Bruttoinlandsprodukts (BIP) entspricht. Im Verlauf der letzten Jahre ist dieser Prozentsatz stabil geblieben und die Schweiz liegt somit im internationalen Vergleich an 6. Stelle hinter den USA, Niederlanden, Frankreich, Deutschland und Kanada. Die Gesundheitskosten steigen weiterhin schneller an als das BIP und die anderen Konsumausgaben. Der jährliche Kostenanstieg erreichte in den letzten zwölf Jahren im Durchschnitt 3,8% im Jahr. Auch die finanzielle Beteiligung des Staates hat sich erhöht, von 15,2% im Jahr 1999 auf 19,2% 2010. Der Anteil der Sozialversicherungen,  insbesondere der Krankenversicherung, an den Gesamtkosten beläuft sich auf rund 40% und jener der  Zusatzversicherungen auf 9 bis 10%. Die Haushalte tragen etwas mehr als einen Drittel dieser Kosten.

Genereller Versicherungsschutz

Im Jahr 1996 hat die Schweiz das Krankenversicherungsgesetz (KVG) eingeführt und damit eine obligatorische und einheitliche Krankenversicherung mit Zugang zu einem grossen  Leistungsangebot für alle geschaffen. In der Schweiz gibt es sehr viele medizinische Einrichtungen mit Spitzentechnologien und dies zur grossen Zufriedenheit der Patienten. Laut einer Studie der OECD und der WHO über das Schweizer Gesundheitssystem ist die Bevölkerung im Allgemeinen gesund und aufgrund der Versicherungsstruktur gibt es kaum Benachteiligte. Sie hebt jedoch hervor, dass die Ausgaben in den letzten zehn Jahren stärker zugenommen haben als das Volkseinkommen, das zur Finanzierung erforderlich ist.

Kostenentwicklung zulasten der obligatorischen Krankenpflegeversicherung (OKP)

Die qualitativ hochstehenden und besonders gut zugänglichen  Gesundheitsleistungen in unserem Land haben ihren Preis. Seit 1996 haben sich die Ausgaben der obligatorischen Krankenpflegeversicherung (OKP) verdoppelt. Zwischen 1999 und 2012 sind sie von 14,6 Milliarden Franken auf 25,7 Milliarden angestiegen, bzw. durchschnittlich 4,4% pro Jahr. Dieser Anstieg ist höher als das Wachstum von 3,8% der Gesamtkosten im gleichen Zeitraum. Das zeigt, dass die Kosten für die Krankenversicherung schneller zunehmen als die Gesamtkosten. Wir alle profitieren von den Fortschritten in der Medizin und den neuen Technologien, die hohe Kosten verursachen und die obligatorische Krankenpflegeversicherung (OKP) belasten. Konsequenz: Die Prämien steigen. Spitalaufenthalte (stationäre und ambulante) bilden den grössten Kostenblock (rund 40% der Gesamtkosten), gefolgt von Ärzten,  Apotheken und Pflegeleistungen in Altersund Pflegeheimen sowie zuhause.

Mehr Leistungen

Dieser Kostenanstieg ist in erster Linie auf ein breiteres Angebot medizinischer Leistungen – zwei Drittel davon – und nicht auf die Tarifanpassungen – ein Drittel – zurückzuführen. Der Leistungskatalog wird immer vielseitiger. Seit der Einführung des KVG 1996 übernimmt die OKP ausserdem die Gesundheitskosten für Pflegebedürftige. Für Pflegeheime und Krankenpflege zuhause werden heute 2,5 Milliarden Franken aufgewendet, was rund 10% der Kosten entspricht.

Internationaler Vergleich: mehr Operationen in der Schweiz

Im internationalen Vergleich nimmt die Schweizer Bevölkerung mehr  Gesundheitsleistungen in Anspruch. Dies ist unter anderem auf den umfangreichen Leistungskatalog zurückzuführen. Ein Bericht der OECD vom März 2013 zeigt die hohe Anzahl chirurgischer Eingriffe in der Schweiz, insbesondere Prostata- Entfernungen, Hüftgelenkoperationen oder Kaiserschnitte. Im Vergleich zu Irland und Portugal ist die Wahrscheinlichkeit in der Schweiz dreimal höher, dass eine Prostata-Operation durchgeführt wird. Bei der Altersgruppe 75 bis 85 Jahre ist der Prozentsatz sogar sechsmal höher als in Portugal. In der Schweiz werden europaweit am meisten Prostatae operativ entfernt und am meisten künstliche Hüftgelenke eingesetzt. Wir sind auch weltweit am besten mit Diagnosegeräten ausgerüstet. Das wirkt sich natürlich auf die Gesundheitskosten aus, widerspiegelt aber auch den sehr hohen Lebensstandard der Schweizer Bevölkerung, die von ausgezeichneten Pflegeleistungen profitiert. Doch werden diese Ressourcen auch sinnvoll genutzt?

Weniger ist mehr

Durch die bedeutenden Fortschritte in der Medizintechnologie glaubt der Patient heute, dass es für jedes Leiden eine medizinische Antwort gibt. Diese grenzenlosen Anforderungen stossen aber ziemlich schnell auf begrenzte Ressourcen. Vor diesem Hintergrund hat sich in der Medizin die Überzeugung von «Less is more» (Weniger ist mehr) durchgesetzt, im Sinne von je weniger Behandlungen desto besser. Die Idee kommt aus den Vereinigten Staaten und stellt sich der bisher dominierenden Praktik, je mehr Pflegeleistungen desto besser,  entgegen. Denn nicht immer erfolgt eine Behandlung zum Wohl des Patienten. Die Philosophie «Weniger ist mehr» hat laut Schweizer Ärzten (gemäss Revue Médicale Suisse, April 20132) zum Ziel, unnütze und teure Behandlungen zu vermeiden und medizinische Leistungen sinnvoll einzusetzen, ohne sie einzuschränken.

Nicht immer sinnvoll und oft überschätzt!

Der Nutzen von medizinischen Eingriffen ist nicht immer erkennbar und wird häufig überschätzt. Unnötige Behandlungen sind einerseits teuer und andererseits mit Risiken verbunden. Die Autoren Dr. Simon Regard und Dr. Omar Kherad schreiben, dass «solche Praktiken auf zwei Anreizen beruhen: zum einen auf dem quantitativen, finanziellen und zum anderen auf dem  qualitativen Aspekt – Vermeidung von Leistungen mit einem schlechten Nutzen-Risiko-Profil». Verschiedene amerikanische Gesundheitsinstitutionen finden, dass auch das Erstellen von Interventionslisten sinnlos ist. Die Schweizerische Akademie der Medizinischen Wissenschaften hat mit ihrem Konzept «Nachhaltige Medizin» – die optimale und nicht die maximal mögliche Behandlung für den Patienten – einen wichtigen Denkanstoss gegeben.

Fazit

Das Schweizer Gesundheitswesen ist teuer, bietet der Bevölkerung und der Wirtschaft aber einen klaren Mehrwert: mehr als 365’000 Beschäftigte und enorme Investitionen (Pharmaunternehmen, Spitäler u. a.). Im Ländervergleichist unser Gesundheitssystem gut positioniert. Doch andere OECD-Länder bieten mindestens ebenso gute  Pflegeleistungen aber kostengünstiger. Laut OECD führen die Förderungsmassnahmen in unserem Land nicht immer zu höherer Effizienz und geringeren Kosten. Mehr Effizienz könnte durch den Ausbau von Marktmechanismen zwischen den medizinischen Leistungserbringern und den Versicherern erreicht werden, was zu einem besseren PreisLeistungs-Verhältnis der medizinischen Leistungen führen würde.

Beispiele von unnötigen Interventionen

  • bei akuten Rückenschmerzen seit weniger als 6 Wochen ohne alarmierende Indikatoren ein Röntgenbild zu machen
  • bei einer akuten, unkomplizierten, entzündlichen Infektion der Nasen- und Nebenhöhlenschleimhaut ein  Nasenscan zu verlangen oder Antibiotika zu  verschreiben
  • eine Koronarographie oder Herz-CT aufgrund von Stress durchzuführen, ohne dass der Patient Herzkreislaufstörungen oder sonstige Risikofaktoren aufweist
  1. OECD Health Working Papers N° 61 – International Variations in a Selected Number of Surgical Procedures, Klim McPherson, Giorgia Gon, Maggie  Scott.
  2. Less is more, Artikel von Dr. Simon Regard und
    Dr. Omar Kherad, Service de médecine interne, Hôpital de La Tour und Prof. Jean-Michel Gaspoz, Département de médecine communautaire, de  premier recours et des urgences, HUG, Genf, Revue Médicale Suisse, April 2013.

Article tiré du journal des assurés LOGIN

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