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Finanzierung des Gesundheitswesens

Zunehmendes Ungleichgewicht zwischen den Generationen

Das aktuelle Finanzierungssystem der Krankenversicherung basiert auf einer einheitlichen Prämie für alle Erwachsene, was die junge Generation – zugunsten der älteren – zunehmend belastet. Zusammen mit der demografischen Entwicklung vergrössert sich so das finanzielle Ungleichgewicht zwischen den Generationen. Unser Dossier analysiert die Entwicklung und gibt Lösungsansätze zur Wiederherstellung des Gleichgewichts.

Das Krankenversicherungsgesetz (KVG) wurde mit drei Zielen eingeführt:

  • hochwertige Gesundheitsversorgung landesweit
  • Solidarität zwischen gesunden und kranken Menschen
  • Eindämmung der Gesundheitskosten

Das erste Ziel konnte erreicht werden – im Gegensatz zur Eindämmung der Gesundheitskosten. Und die Solidarität? Sie besteht, doch stösst sie – auf Kosten der Jungen – an ihre Grenzen. Gewährleistet wird die Solidarität durch den Risikoausgleich, der junge Erwachsene zwischen 19 und 25 Jahren jedoch stark belastet. Und da sich die meisten unter ihnen in Ausbildung befinden, werden Familien und junge Haushalte benachteiligt. Ausserdem verfügen Menschen in dieser Lebensphase nur über ein beschränktes Einkommen, da sie am Anfang ihrer beruflichen Laufbahn stehen. Dieses Ungleichgewicht ist bei der Verteilung der Prämienverbilligungen klar erkennbar: Rund 70% der Bezüger dieser Subventionen von der öffentlichen Hand sind unter 45 Jahre alt. Deshalb ist es sinnvoll, insbesondere diesen Aspekt des KVG zu revidieren und parallel dazu alle Massnahmen zur besseren Eindämmung der Gesundheitskosten zu unterstützen.

Ausgabenverteilung

Seit mehreren Jahrzehnten variiert der jeweilige Anteil an den Gesundheitsausgaben nur wenig: Spitäler (40%), Medikamente (20%), Arztpraxen (23%), Pflegeheime und Spitex (10%) und 7% für die übrigen Ausgaben (Labors, Physiotherapie u. a.). Die Gesamtausgaben steigen seit mehreren Jahren um 3 bis 5%, das entspricht einer jährlichen Zunahme zwischen 500 Millionen und einer Milliarde Franken zulasten der obligatorischen Krankenpflegeversicherung (OKP). Und diese Kostenentwicklung widerspiegelt sich jeweils in den Prämien, die kostendeckend sein müssen.

Kosten zulasten der OKP 2009 nach Alterklasse

Die Einheitsprämie belastet die junge Generation zu stark

Der regelmässige Anstieg der Gesundheitskosten und Prämien ist offensichtlich, doch auch die finanzielle Belastung der Jungen wird aufgrund des demografischen Ungleichgewichts immer grösser. Dies ist auf die Einheitsprämie zurückzuführen: Ab 19 Jahren zahlen alle Versicherten unabhängig ihrer Gesundheitskosten die gleiche Prämie. Doch die Gesundheitskosten sind stark altersabhängig (siehe Grafik 1): Zwischen 0 und 25 Jahren liegen sie unter Fr. 1’300.– pro Jahr, zwischen 25 und 66 Jahren steigen sie linear an und ab dem 66. Altersjahr ist die Zunahme markanter: ab 66 im Jahresdurchschnitt Fr. 5’600.–, ab 80 Fr. 10’000.– und ab 90 Fr. 18’000.–. Infolge der vom KVG gewollten Solidarität bezahlen die Versicherten all dieser Altersklassen jedoch eine einheitliche Prämie. Das bedeutet, dass die Prämien eines jungen Erwachsenen vier Mal höher sind als die tatsächlich von ihm verursachten Gesundheitskosten, und der Beitrag eines Achtzigjährigen lediglich einen Viertel seiner medizinischen Kosten deckt. Tabelle 2 zeigt die Entwicklung der Durchschnittsprämien nach Altersklasse. Bei den Kosten pro Versicherten werden alle Versicherten ab 19 Jahren berücksichtigt.

Entwicklung der durchschnittlichen Monatsprämien in Franken nach Altersklasse

Risikoausgleich (RA)

Die Solidarität zwischen gesunden und kranken Menschen kommt im Risikoausgleich (RA) zwischen den Versicherern zum Ausdruck. Es handelt sich dabei um einen nach Alter und Geschlecht der Versicherten berechneten Beitrag. Auf diese Weise erhält ein Versicherer mit einer Versichertengemeinschaft, die mehrheitlich aus Frauen und Senioren besteht, aus dem Risikoausgleich Beiträge von Versicherern mit einem grossen Anteil an Männern und jungen Menschen. Tabelle 3 zeigt den Beitrag der jungen Erwachsenen an das Gesundheitssystem. Im Durchschnitt betrugen 2009 die effektiven Behandlungskosten aller erwachsenen Versicherten (Männer) ab 19 Jahren Fr. 254.– pro Monat und die Behandlungskosten der 19- bis 25-Jährigen Fr. 55.– pro Monat. Folglich zahlen junge Erwachsene Fr. 199.– pro Monat in den Risikoausgleich – ein Betrag, der jedes Jahr zunimmt. Oder anders ausgedrückt: Rund 80% der Prämie eines jungen Erwachsenen geht an den Risikoausgleich. Diese Entwicklung widerspiegelt das zunehmende demografische Ungleichgewicht zwischen Jung und Alt. Ab dem 61. Altersjahr sind die Versicherten im Rahmen des Risikoausgleichs nicht mehr Zahler, sondern Bezüger (siehe Tabelle 4).

Von den jungen zugunsten der älteren Erwachsenen bezahlte Beträge im Rahmen des Risikoausgleichs, in Franken pro Monat
Ab dem 61. Altersjahr sind die Versicherten im Rahmen des Risikoausgleichs nicht mehr Zahler, sondern Bezüger; erhaltene Beträge 2009, pro Monat

Prämienverbilligung vor allem für Junge

Die heikle finanzielle Lage der Jungen widerspiegelt sich in den Prämienverbilligungen der öffentlichen Hand: Fast 30% der Bevölkerung erhalten Prämienverbilligungen, das entspricht:

  • 2’249’481 Personen oder 1’211’670 Haushalten.

Die durchschnittliche Prämienverbilligung pro Haushalt beträgt Fr. 2’805.–. Die Bezüger verteilen sich wie folgt:

  • 0-45 Jahre: 68% der Bezüger
  • 76 Jahre und darüber: 6,85% der Bezüger.

Die Anzahl der Personen mit Prämienverbilligung im Alter von 0 bis 45 Jahren ist dreimal höher (1’545’818 Bezüger) als die der über 51-Jährigen (496’173 Bezüger).

Nötiger Ausgleich

Aus finanzieller
Sicht belastet die Einheitsprämie den sinkenden Anteil der jungen Bevölkerung zunehmend zugunsten der älteren Generation. Um den Fortbestand des Systems nicht zu gefährden, muss die Finanzierung der Krankenversicherung ausgeglichen werden, damit sie besser mit den Kosten der Bevölkerungsalterung korreliert.

Prämienlast reduzieren – wie?

Zur Bekämpfung des immer grösseren Ungleichgewichts bei der Finanzierung der Krankenversicherung zulasten der Jungen könnte man einen Verzicht auf die Einheitsprämie ab 19 Jahren ins Auge fassen. Durch zusätzliche Altersklassen zwischen 25 und 36 und sogar zwischen 36 und 50 Jahren wäre die Ersparnis bei den Prämien der 19- bis 25-Jährigen erheblich: rund Fr. 100.– im Schweizer Durchschnitt. Junge Familien würden am meisten profitieren, für die anderen Versicherten entstünden Mehrkosten von Fr. 7.– bis Fr. 8.– im Monat. Als Nebeneffekt würden ausserdem die Prämienverbilligungen, die heute grösstenteils an die unter 45-Jährigen gehen, neu ausgerichtet. Die Unterstützung wäre viel gezielter, insbesondere zugunsten der Älteren in wirtschaftlichen Schwierigkeiten, denn die absolute Zahl der älteren Personen, die auf Unterstützung angewiesen sind, ist dreimal kleiner als bei den Jungen (unter 45 Jahren).

Artikel aus der Versichertenzeitung Login

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