Bilingual unterwegs

09. Oktober 2019 | Kommentar(e) |

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In vielen nationalen Unternehmen sind heute Kenntnisse einer anderen Landessprache selten geworden – vor allem, was Deutsch und Französisch betrifft. Heute reden Deutschschweizer und Welsche oft Englisch miteinander. Das ist bei der Groupe Mutuel nicht der Fall. Damit das so bleibt, fördert das Unternehmen den Austausch über die Sprachgrenzen hinweg.

Groupe Mutuel – national verankert

Mit 5 Servicecentern und 34 Agenturen schweizweit ist die Groupe Mutuel mit rund 2400 Mitarbeitenden ein national ausgerichtetes Unternehmen. Die Sprachvielfalt widerspiegelt sich nicht nur in der internen Zusammenarbeit, sondern auch in den vom Kundendienst bedienten Sprachen für die Kundinnen und Kunden. Im Kundendienst werden offiziell die drei Landessprachen gesprochen. Aber wenn ein Kunde zum Beispiel nur Portugiesisch spricht, übernimmt gerne ein Muttersprachler die Betreuung. Denn so multikulturell wie die Kunden sind, sind es auch die Mitarbeitenden. Rund 25 Nationen sind Vertreten und erleichtern entsprechend die Kundenkommunikation. Da die Wurzeln der Groupe Mutuel in Martigny sind, ist die dominierende Sprache Französisch. Rund 72% der Mitarbeitenden sprechen es als Muttersprache.

Austauschjahr für junge Arbeitnehmende als Chance

Bereits zu Beginn der Lehre werden die Neuankömmlinge ermuntert, nach Abschluss und Erlernen der Fachkenntnisse im Versicherungswesen ein Austauschjahr in der anderen Sprachregion zu absolvieren. Die Zweisprachigkeit ist kein zwingendes Kriterium, aber viele Lernende stellen beim Eintritt ins Berufsleben fest, dass Mehrsprachigkeit von Vorteil sein kann. Wer die Chance ergreifen will, der kann seine Sprachkenntnisse bei der Groupe Mutuel vertiefen und wird dabei aktiv unterstützt.

Ein mehrmonatiger Wechsel während der Lehre ist schwierig, da Lernende jeweils die Berufsschule an einem Standort absolvieren und der Fokus im Erlernen der berufsspezifischen Prozesse und Fachkenntnisse liegt. Nach der Lehre haben die jungen Erwachsenen die Prozesse kennengelernt. In der Abteilung müssen sie sich nicht mehr auf die Arbeitsmethoden konzentrieren und können sich voll und ganz auf die Sprache fokussieren. Jeweils im Dezember werden die Lehrabgänger für das Folgejahr angefragt, ob sie an einem Austauschjahr in der Deutschschweiz oder der Romandie interessiert sind. Die Groupe Mutuel übernimmt die Kosten für die Sprachkurse in den ersten drei Monaten und betreut die Mitarbeitenden während des ganzen Jahres.

Der imaginäre Röschtigraben

Auch Mitarbeitende, die die Lehre nicht bei der Groupe Mutuel absolviert haben, sind schon beruflich über den Röschtigraben gesprungen. Einer davon ist Serge Grand (43), Leiter Werbung und Sponsoring. Seine Karriere bei der Groupe Mutuel begann der Oberwalliser 2006 in Martigny. Nach drei Jahren verlegte er seinen Arbeitsplatz firmenintern nach Zürich. Im Kurzinterview erklärt er das Zusammenspiel der Deutsch- und Westschweizer im beruflichen Alltag:

  • Herr Grand, sind Romands lockerer als Deutschschweizer?
    Sie meinen es, sind es aber nicht (lacht). Das Savoir-vivre haben die Westschweizer aber schon sehr im Griff.
  • Gibt es Unterschiede in der Arbeitskultur?
    Der Deutschschweizer ist meiner Ansicht nach zielstrebiger und direkter. Der Romand ist eher stur und verschlossen, vor allem was Veränderungen betrifft. Damit eine Zusammenarbeit funktioniert, braucht es jeweils Verständnis für den anderen – und das von beiden Seiten.
  • Wie hat die Groupe Mutuel Ihre persönliche sprachliche Vielfalt gefördert?
    Zum einen mit der Möglichkeit, dass ich als Deutschsprachiger in Martigny arbeiten und mein Schulfranzösisch anwenden konnte. Zum anderen hat das Unternehmen mir einen berufsspezifischen Sprachkurs ermöglicht und finanziert. Heute spreche ich jeden Tag beide Sprachen.
  • Wie ist es im Arbeitsalltag und in Sitzungen – werden die Sprachen auch gemischt?
    Grundsätzlich darf bei der Groupe Mutuel jeder in seiner Muttersprache an Sitzungen präsentieren. In der Realität funktioniert das nicht wirklich. Die Welschen sind allerdings auch klar im Nachteil, weil sie in der Schule Hochdeutsch lernen. Wenn ich mit meinem «Wallisserdiitsch» komme, ist es klar, dass sie mich nicht verstehen.
  • Ihr Fazit: Röschtigraben – ein Hindernis oder eine Bereicherung?
    Eine Bereicherung mit Hindernissen (lacht).

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Autor(in)

Leiter Medienkommunikation

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