Gegen das Kostenwachstum

23. April 2018

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Die Zunahme der Kosten im Gesundheitsbereich und damit auch der Prämien der obligatorischen Krankenpflegeversicherung (OKP) ist die grösste Herausforderung im ansonsten erstklassigen Schweizer Gesundheitswesen. Darum hat der Bundesrat eine Gruppe von Experten eingesetzt mit dem Auftrag, Instrumente und Massnahmen zur Dämpfung des Kostenwachstums im Gesundheitswesen aufzuzeigen. Im Oktober 2017 hat die Gruppe schliesslich ihren Bericht mit 38 Massnahmen veröffentlicht.

Die Expertengruppe priorisiert dabei folgende zwei Massnahmen als grundsätzlich und übergreifend:

Massnahme 1: Verbindliche Zielvorgabe für das OKP-Wachstum

Als erste Massnahme werden verbindliche Zielvorgaben für das Kostenwachstum in der OKP vorgeschlagen. Falls diese Ziele verfehlt werden, sollen gesetzlich vorgegebene Sanktionen folgen. Ein solches „Globalbudget“ ist reine Symptombekämpfung. Werden die zu erwartenden Nebeneffekte ebenfalls betrachtet (Warteliste, Rationierung, Qualitätseinbussen, Zweiklassenmedizin), so sollte diese Massnahme als letzte Möglichkeit ins Auge gefasst werden, wenn alle anderen Massnahmen versagen oder nicht umsetzbar sind.

Massnahme 2: Einführung eines „Experimentierartikels“ im KVG

Die zweite von den Experten priorisierte Massnahme ist die Einführung eines Experimentierartikels, welcher es den Kantonen, den Versicherern aber auch den Leistungserbringern erlaubt, Pilotprojekte zu realisieren. Bereits heute haben die Akteure einen grossen Spielraum für Pilotversuche. Dennoch könnte die Einführung eines solchen Experimentierartikels durchaus weitere interessante Projekte anstossen. Um drohende Risiken einzudämmen, müssen dafür jedoch folgende Kriterien sichergestellt sein:

  • Kosteneinsparungen
  • Reversibilitätsgarantie
  • Rechtssicherheit und Rechtsstaatlichkeit  
  • Befristung
  • wissenschaftliche Begleitung

Wirkungsvollere Massnahmen

Priorität sollten klar jene Vorschläge haben, welche die Ursache des Problems angehen, nämlich die unnötigen medizinischen Eingriffe und Behandlungen. Dafür muss das Überangebot angegangen werden. Unter den 38 Massnahmen hätten einige das Potenzial, die Überversorgung kostenwirksam zu senken.

Dies sind in erster Linie:

  • Regionale Spitalversorgungsplanung (Massnahme 14)
  • Einführung einheitliche Finanzierung (Massnahme 26)
  • Pauschalen im ambulanten Bereich fördern (Massnahme 15)
  • Differenzierter Kontrahierungszwang (Massnahme 18)  

Fazit:

Es ist wichtig, nun rasch wirkungsvolle und schnell umsetzbare Kostendämpfungsmassnahmen zu erarbeiten. Im Expertenbericht sind einige Vorschläge enthalten, welche das Problem an der Wurzel angehen und das Potenzial haben, den Kostentreiber Überversorgung korrigieren zu können. Diese müssen nun prioritär und ohne Aufschub angegangen werden.

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Autor(in)

Generalsekretär und Mitglied der Generaldirektion

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