Prävention von muskuloskelettalen Beschwerden: Sind Exoskelette die Lösung?

05. Mai 2026 | Kommentar(e) |

Martin Kamber

Muskuloskelettale Beschwerden (MSB) verursachen bis zu 30 Prozent der Fehlzeiten in Unternehmen. Überblick über eine grosse Herausforderung für das Gesundheitswesen mit Claire Bauduin, Ergonomin und Spezialistin für betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) bei der Groupe Mutuel.

Laut Bundesamt für Statistik waren 2019 45 Prozent der Erwerbstätigen dem Risiko von MSB ausgesetzt. Ein Mitarbeiter fehlt 1,3 Tage pro Jahr aufgrund von MSB. Die makroökonomischen Kosten von MSB für die Schweiz wurden auf CHF 5,5 Milliarden geschätzt. Und gemäss European Working Conditions Survey (EWCS) hatten 35,5 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer in den vergangenen zwölf Monaten Rückenprobleme und 31,8 Prozent Muskelschmerzen in Schultern, Nacken und oberen Gliedmassen. Für die ausgebildete Ergonomin Claire Bauduin ist der Fall klar: Der Einsatz von Exoskeletten ist nur dann sinnvoll, wenn er Teil eines umfassenderen Präventionsansatzes ist und auf der ergonomischen Analyse der Arbeitsbedingungen beruht. Vorrang haben nach wie vor die ergonomische Einrichtung der Arbeitsplätze, eine schlaue Aufteilung der Arbeitslast, gesunde Arbeitsabläufe und die entsprechende Schulung.

Was sind muskuloskelettale Beschwerden?

MSB sind Erkrankungen des Bewegungsapparats, die Beschwerden in den Weichteilgeweben (Sehnen, Muskeln, Nerven) der Gelenke verursachen. Die berufliche Tätigkeit kann beim Auftreten oder der Verschlimmerung dieser Beschwerden mitverantwortlich sein, insbesondere dann, wenn durch die Organisation der Arbeit physische Faktoren wie repetitive Bewegungen, statische Arbeit, übermässige Beanspruchung, Tragen schwerer Lasten oder psychosoziale Faktoren wie Zeitdruck oder geringe mangelnde Autonomie und Unterstützung auftreten. Auch individuelle Faktoren wie Alter, Vorerkrankungen, Lebensweise und Arbeitsgewohnheiten können einen Einfluss haben.

Ist der Anteil dieser Erkrankungen hoch?

Ja. Er liegt bei rund 30 Prozent der Erkrankungen, die heute in Unternehmen verzeichnet werden. Es handelt sich also um ein individuelles, aber auch öffentliches Gesundheitsproblem, dessen finanzielle Kosten für Unternehmen hoch sind und in der Schweiz auf mindestens CHF 5,5 Milliarden pro Jahr geschätzt werden. MSB können alle betreffen.

«Die Prävention von MSB ist wirksam, wenn geeignete technische, organisatorische und personenbezogene Massnahmen umgesetzt werden.»

«Die Prävention von MSB ist wirksam, wenn geeignete technische, organisatorische und personenbezogene Massnahmen umgesetzt werden.»

Claire Bauduin, Ergonomin und Spezialistin für betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) bei der Groupe Mutuel.

In diesem Zusammenhang hat sich die Groupe Mutuel insbesondere für den Gipser- und Malerberuf interessiert. Warum?

Auslöser war die Anfrage eines unserer Kunden, des Waadtländer Baumeisterverbands (FVE). Der Verband hatte festgestellt, dass diese Branche und ihre Berufsgruppen eine hohe Fehlzeitenquote aufgrund von MSB aufweisen, wobei die Erkrankungen hauptsächlich Schultern und Rücken betrafen. Daraus entstand ein Pilotprojekt zum Thema Exoskelette mit der Frage: Können Exoskelette das Auftreten von MSB reduzieren?

Auslöser des Pilotprojekts war die Anfrage eines Kunden, des Waadtländer Baumeisterverbands (FVE).

Was ist ein Exoskelett?

Ein Exoskelett ist ein mechanisches Gerüst, das aussen am Körper getragen wird, ähnlich wie ein Rucksack. Es übernimmt teilweise die physische Leistung, die der menschliche Körper normalerweise erbringt. Man unterscheidet zwischen passiven Exoskeletten, die mit mechanischen Federn oder elastischen Bändern funktionieren und wenig invasiv sind, und aktiven Exoskeletten, die mit einem Motor, einem Hydraulik- oder einem Pneumatiksystem funktionieren. Beide haben jedoch ihre Einschränkungen und Grenzen, die ihrerseits neue Risiken bergen können. Passive Exoskelette werden am häufigsten in Unternehmen eingesetzt. Sie sind jedoch nicht die bevorzugte Lösung, um das Auftreten von MSB zu reduzieren. In unserer Studie über den Gipser- und Malerberuf wurde festgestellt, dass das System mit einer Reihe von Tätigkeiten nicht kompatibel ist. Und auch das Empfinden der Nutzer war nicht immer positiv. Zudem fehlen uns aktuell die Erfahrungswerte, um die Relevanz von Exoskeletten für die Prävention von MSB eindeutig beurteilen zu können.

Aktuell sind Exoskelette also ein Mittel unter vielen zur Prävention?

Genauso ist es. Zunächst müssen die Arbeitssituationen insgesamt analysiert werden, um die Risikofaktoren zu identifizieren. Erst dann sind konkrete Massnahmen möglich. Die Prävention von MSB ist wirksam, wenn geeignete Massnahmen umgesetzt werden: dies in Bezug auf Technik (Arbeitsmittel, Hebehilfen usw.), Organisation (Vorbereitung des Arbeitsplatzes, Abwechslung bei den Aufgaben während des Arbeitstages, klare Kommunikation der auszuführenden Aufgaben usw.) und Personal (Schulungen). In diesem Kontext einer Gesamtanalyse kann eine Empfehlung zur Verwendung eines Exoskeletts erfolgen oder auch nicht. Und da Prävention ein komplexes Thema ist, ist es sinnvoll, sich von Spezialisten begleiten zu lassen.

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