Bestehende Stärken sichtbar machen: Der Weg zum Label «Friendly Work Space»

27. Juli 2026 | Kommentar(e) |

Martin Kamber

Als es darum ging, das Label «Friendly Work Space» ins Auge zu fassen, baute man bei der Siegfried AG in Zofingen auf die Expertise der Groupe Mutuel. Dem Assessment im Herbst kann das Team rund um die Projektverantwortliche Fabiola Prenqaj-Sidler gelassen entgegensehen, denn bereits die Vorbereitungsphase lieferte wertvolle Erkenntnisse.

Gerade in der Schweizer Pharmabranche wird eifrig um Talente gerungen. In diesem Zusammenhang kann ein Gütesiegel wie jenes der Gesundheitsförderung Schweiz Gold wert sein: Firmen, die sich das Label «Friendly Work Space» verdienen, heben sich von der Konkurrenz ab. Interessierte Arbeitnehmende erkennen sofort: Hier wird systematisch in die Gesundheit der Mitarbeitenden investiert.

Diese Trumpfkarte will man bei der Siegfried AG, einem weltweit operierenden Pharmaunternehmen mit Hauptsitz in Zofingen unbedingt ausspielen: «Seit 2024 haben wir auf verschiedenen Ebenen viel in die Attraktivität des Standorts Zofingen investiert», erklärt HR-Managerin Fabiola Prenqaj-Sidler. «Abgesehen von Beiträgen für die ÖV-Nutzung und weiteren Unterstützungen spielte unser BGM dabei eine zentrale Rolle.»

Ein erfolgreiches Betriebliches Gesundheitsmanagement ist zwar keine Hexerei. Wer das Label «Friendly Work Space» erhalten möchte, wird in einem Assessment auf die 14 dazugehörigen Kriterien geprüft. Dazu gehören auf der Ebene der Steuerung beispielsweise verlässliche Werte und eine klare Definition der Handlungsfelder und Massnahmen, während auf der Ebene der Umsetzung u.a. Massnahmen für eine gesundheitsförderliche Arbeitsumgebung, Partizipation und Kompetenzenentwicklung nachgewiesen werden müssen. Weitere Infos zum Label von Gesundheitsförderung Schweiz:

Friendly Work Space

Es war nur logisch, dass diese Anstrengungen auch im Rahmen eines Routinetreffens mit der Groupe Mutuel im Frühjahr 2025 zur Sprache kamen. «Wir waren überzeugt, dass wir bereits gut aufgestellt waren», erinnert sich Prenqaj-Sidler, «und doch merkten wir in den folgenden Wochen, dass wir noch ein paar Hausaufgaben zu erledigen hatten.»

«Schuld» daran trägt Joy Marxer, die als CorporateCare-Expertin am Treffen teilgenommen hatte und das Zofinger Team bis heute auf dem Weg zum «Friendly Work Space» unterstützt. «Ein Vorteil des Labels liegt darin», meint Marxer, «dass es die Anforderungen an das betriebliche Gesundheitsmanagement in vierzehn nachvollziehbare Einzelkriterien mit dazugehörigen Aspekten unterteilt. Dadurch lässt sich wie anhand einer Checkliste aufzeigen, wo ein Unternehmen steht.»

«Das Label ist als Unterstützung zu verstehen, um mehr Wirkung zu erzielen, und nicht als Trophäe oder Selbstzweck. Es geht darum, verschiedene Steuerungselemente zu installieren, darauf aufbauend nachhaltige Massnahmen zu ergreifen und deren Wirkung zu überprüfen.»

Joy Marxer, CorporateCare-Expertin Groupe Mutuel

Tatsächlich sorgten die Checks, die in der Folge gemacht wurden, für so manches Aha-Erlebnis, meist der guten Art: «Wir waren selbst überrascht, wieviel insbesondere unser Bereich Health, Safety & Environment schon leistete», erinnert sich Fabiola Prenqaj-Sidler. «Beispielsweise wurden schon früher ‘Safety Walks’ über das Werksgelände durchgeführt, die sich bestens für den regelmässigen Austausch und die Sensibilisierung für Gesundheit und Arbeit eignen.»

Der Kriterienkatalog zwang das Zofinger Team dazu, die alltägliche Praxis am Standort transparent zu machen und dafür Standards festzulegen. Fabiola Prenqaj-Sidler gibt ein Beispiel: «Wenn ein Mitarbeiter nach überstandener Krankheit zurückkehrt, führen die Vorgesetzten zwar ein Einzelgespräch mit ihm, doch früher gab es dazu keine Vorgaben und auch keine Dokumentation.» Gleichzeitig wurde deutlich, wie wichtig strukturierte Instrumente wie Mitarbeitendenbefragungen und Dialogformate sind, um Bedürfnisse frühzeitig zu erkennen und gezielte Verbesserungen im Bereich Gesundheit und Wellbeing abzuleiten.

«Dass ein gutes Gesundheitsmanagement hilft, Ausfalltage zu reduzieren, ist eine Botschaft, die bei uns auf allen Führungsebenen angekommen ist.»

«Dass ein gutes Gesundheitsmanagement hilft, Ausfalltage zu reduzieren, ist eine Botschaft, die bei uns auf allen Führungsebenen angekommen ist.»

Fabiola Prenqaj-Sidler, Senior HR Manager Siegfried AG

In derlei Situationen, da ist die HR-Managerin überzeugt, stecke sehr viel Präventionspotenzial, gerade hinsichtlich der steigenden Zahl psychischer Erkrankungen. Mithilfe der Checks und Expertin Joy Marxer flossen Erkenntnisse wie diese in ein Konzept, das den Ansprüchen des Labels «Friendly Work Space» gerecht wird. Der ganze Prozess half dabei nicht nur, Entwicklungspotenziale zu identifizieren, sondern auch bestehende Aktivitäten sichtbar zu machen, mehr Transparenz zu schaffen und das betriebliche Gesundheitsmanagement systematisch weiterzuentwickeln.

Im Juni wurde die Bewerbung bei der Gesundheitsförderung Schweiz eingereicht, und voraussichtlich im Herbst werden deren Gutachter anlässlich eines Assessments den Standort Zofingen unter die Lupe nehmen.

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