Vorsorge für junge Berufstätige: Früh vorsorgen lohnt sich

16. Juli 2026 | Kommentar(e) |

Santiago Mouriz Moreno

Beim ersten Lohn, Auslandsreisen oder sonstigen Zukunftsplänen denken junge Berufstätige nicht unbedingt an die Vorsorge. Und doch sind diese Jahre oft entscheidend, denn in der Vorsorge ist nicht Geld das kostbarste Gut, sondern Zeit. In diesem Artikel geben wir euch nützliche Tipps, wie und wann ihr eure private Vorsorge in die Hand nehmen solltet.

Viele Junge schieben die Vorsorge auf die lange Bank, im Glauben, sie hätten noch viel Zeit. Doch gerade der Zeitfaktor ist beim Sparen von entscheidender Bedeutung, denn dank den Zinseszinsen arbeitet das Ersparte für euch, und zwar exponentiell.

  • Die gute Nachricht: Man muss nicht unbedingt mit hohen Beträgen einsteigen.
  • Viel wichtiger ist es, möglichst früh anzufangen.

Warum sollte man seine Vorsorge denn möglichst früh planen?

Das Schweizer Vorsorgesystem basiert auf drei Säulen. Die ersten beiden Säulen, die AHV und das BVG, bieten eine Grundsicherheit, aber es ist oft die 3. Säule, mit der man sich nachhaltig eine finanzielle Freiheit aufbaut. Denn heutzutage übertreffen die ersten beiden Säulen kaum 60 Prozent des letzten Lohns.

Je früher man also mit der Vorsorgeplanung anfängt, desto länger arbeitet das Geld für einem. Es macht also einen beträchtlichen Unterschied, ob man mit 25 statt mit 35 ein 3.-Säule-Konto eröffnet.

«In der Vorsorge sind die besten Entscheidungen selten die spektakulärsten. Oft sind es diejenigen, die man früh trifft, um die Zeit zu seinen Gunsten zu nutzen. »

In den meisten Fällen ist die Säule 3a das bevorzugte Vorsorgevehikel, denn mit ihr lassen sich Steuern sparen und Geld auf die Seite legen. Die Säule 3b wiederum bietet mehr Flexibilität und passt sich besser den individuellen Bedürfnissen an. Was bei beiden Lösungen gilt: je früher man anfängt, desto besser.

Ein einfaches Rechenbeispiel

Wenn ihr ab dem 25. Geburtstag monatlich CHF 200 in ein 3.-Säule-Konto einzahlt und die Durchschnittsrendite 5 Prozent betragt, hat man bis zum 65. Altersjahr rund CHF 305’000 auf der Seite. Wer jedoch erst zehn Jahre später, also ab 35 Jahren, mit dem Sparen beginnt, erreicht nur rund CHF 166’000.

Das heisst, dass nur rund CHF 24’000 an zusätzlichem Sparguthaben innerhalb von zehn Jahren knapp CHF 139’000 mehr Kapital generieren. Je früher man also mit dem Sparen anfängt, desto mehr kann das Kapital im Laufe der Zeit anwachsen, nicht zuletzt dank den Zinseszinsen.

In jungen Jahren die Vorsorge in die Hand zu nehmen, hat auch noch andere Vorteile, wie zum Beispiel der leichtere Zugang zu bestimmten Versicherungen für Invalidität oder Tod mit vorteilhafteren Prämien und weniger medizinischen Auflagen.

Drei entscheidende Momente, in denen die private Vorsorge wirklich zählt

  • Erster Job: früh loslegen

    Wer beim Einstieg ins Berufsleben eine 3. Säule einrichtet, sei es auch schon mit Einzahlungen von CHF 100 oder 200 pro Monat, schöpft das Potenzial von Zinseszinsen langfristig voll aus und lässt das Ersparte für den Ruhestand arbeiten. Der erste, feste Job ist daher ideal, um nachhaltig etwas Geld auf die Seite zu legen.
     
  • Kauf von Wohneigentum: weit mehr als nur ein Kauf

    Die 3. Säule kann auch zu den Eigenmitteln beitragen, die für den Kauf eines Eigenheims nötig sind, oder die Amortisierung einer Hypothek unterstützen.
     
  • Elternschaft oder Teilzeitarbeit: Lücken vermeiden

    Eine Reduktion des Pensums kann zu Vorsorgelücken führen. Wer diese mit einer 3. Säule vorwegnimmt, sichert sich für die Zukunft finanziell besser ab.

Wie viel sollte man als junge Berufstätige in die 3. Säule einzahlen?

Wichtig ist nicht etwa, möglichst gross einzusteigen, sondern einen realistischen Betrag festzulegen, den man auch auf lange Sicht und vor allem regelmässig einzahlen kann. Schon ein paar hundert Franken im Monat zahlen sich langfristig aus. Dieses Jahr beträgt die jährliche Obergrenze für die Säule 3a CHF 7’258 für Arbeitnehmende und CHF 36’288 für Selbstständige.

«In der Vorsorge zahlt sich die Regelmässigkeit oft mehr aus als vereinzelte Einzahlungen. »

Gut zu wissen: Rückwirkende Einkäufe in die Säule 3a

Seit diesem Jahr ist es zudem möglich, Einzahlungen in die Säule 3a nachzuholen. Die Obergrenze entspricht der jährlichen Einzahlung, sprich CHF 7’258 für das Jahr 2026. Eine optimale Möglichkeit für Leute, die ihr 3a-Konto relativ spät eröffnet haben und nun die fehlenden Jahre aufholen möchten.

3. Säule: Bank oder Versicherung? Hier gibt es kein Richtig oder Falsch

Wie viel sollte man als junge Berufstätige in die 3. Säule einzahlen?
  • Ein 3.-Säule-Konto bei einer Bank bietet Berufseinsteigerinnen und -einsteigern primär viel Flexibilität und ist einfach in der Handhabung.
  • Bei einer Versicherung profitiert man mit einer 3. Säule oft von einer zusätzlichen Absicherung bei Invalidität oder im Todesfall.

Eine Freiheit, die sich auszahlen kann, aber ein gewisses Mass an Disziplin erfordert. Denn ohne Rahmen oder Regelmässigkeit verschiebt man die Einzahlung oft auf den nächsten Monat oder gar das nächste Jahr, bis man sich irgendwann selbst im Weg steht.

Auch aus diesem Grund entscheiden sich heute viele für eine Mischung: Flexibilität einer Banklösung und langfristige Absicherung der Vorsorge über einen Versicherungsvertrag.

Es gibt daher keine allgemeingültige Lösung, die Vorsorge passt sich vielmehr an den Lebensstil, an Projekte und an Prioritäten jeder und jedes Einzelnen an. Für junge Berufstätige gilt daher, sich möglichst früh mit der Vorsorge auseinanderzusetzen, um die Zeitkarte voll ausspielen zu können.

Flexiblere Arbeitswelt, flexiblere Vorsorge

Die Vorsorge wird zudem immer wichtiger für Junge mit unregelmässigen oder weniger geradlinigen Laufbahnen: Selbstständige, Freelancer, Teilzeitbeschäftigte oder Personen mit Arbeitsunterbrüchen.

In diesen Fällen spielt die 3. Säule oft eine noch zentralere Rolle, um sich langfristig finanziell abzusichern.

Was viele junge Berufstätige umtreibt

  1. Lohnt sich eine 3. Säule nicht erst, wenn man richtig gut verdient?

    Nicht unbedingt. Früh genug anzufangen, und das kann durchaus auch bescheiden sein, wirkt sich auf lange Sicht positiv auf die Ersparnisse für den Ruhestand aus.
     
  2. Was, wenn ich die Stelle wechsle?

    Die 3. Säule lautet auf euch persönlich und bleibt unabhängig vom Arbeitgeber erhalten. Sie dient dazu, Geld für nach der Pensionierung auf die Seite zu legen, kann aber auch genutzt werden, um ein Eigenheim zu kaufen oder den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen.
     
  3. Bringt die 3. Säule wirklich etwas, auch wenn ich später vielleicht ins Ausland gehe?

    In vielen Fällen schon. Die Vorsorge ist und bleibt wichtig, Auslandsaufenthalte oder weniger geradlinige Laufbahnen hin oder her.
     
  4. Was ist besser für junge Erwachsene, eine 3. Säule bei einer Bank oder bei einer Versicherung?

    Das kommt darauf an. Eine Kombination aus Bank und Versicherung bietet Flexibilität der Banklösung und Absicherung der Ersparnisse bei Unvorhergesehenem dank eines Versicherungsvertrags.

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