Schweizer Spitalwesen – Weniger dafür mehr

16. September 2019 | Kommentar(e) |

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Wir wissen es alle, Übung macht den Meister. Wenn es jedoch um unsere Gesundheit geht, neigen wir dazu der Nähe zum Wohnort gegenüber der Sicherheit den Vorzug zu geben. Blindes Vertrauen in unsere Spitäler oder alte Gewohnheiten können dazu führen, dass wir unnötige Risiken eingehen. Oftmals wählen wir unseren Friseur mit grösserer Sorgfalt aus als unseren Chirurgen. Auf was aber können wir achten, damit eine Operation gelingt? Die Antwort lautet: Mindestfallzahlen.

Ein breit gestreutes Angebot

In der kleinen Schweiz finden Sie alles um die Ecke. Man ist daran gewohnt, dass sich alle nötigen Infrastrukturen in unmittelbarer Nähe befinden. Mehr als zwanzig Minuten mit dem Auto zu fahren, um sein Kind ins Fussballtraining zu bringen oder sogar ins Nachbardorf zu fahren, um seine Zeitung zu kaufen ist bei uns nicht an der Tagesordnung.

Diese Gewohnheiten spiegeln sich auch in unserer Spitallandschaft. Jede Region will seinen Bewohnern ein möglichst breites Spektrum an medizinischen Fachgebieten anbieten können. Auf den ersten Blick erscheint dieses umfassende Angebot für eine begrenzte Anzahl von Einwohnern verlockend. Es hat aber einen direkten Einfluss auf die Qualität der erbrachten Leistungen.

Anzahl Kilometer auf dem Zähler

Je mehr Eingriffe pro Fachgebiet gemacht werden, umso mehr werden sie zur Routine. Das heißt, dass das gleiche Team in kürzerer Zeit mehr Erfahrungen sammelt. Die Abläufe sind eingespielt und man kann schneller und erfolgreicher auf mögliche Komplikationen reagieren. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass die Häufigkeit, mit der eine Operation von einem Krankenhaus durchgeführt wird, die Qualität seiner Leistung beeinflusst. Leider reicht die Anzahl der Operationen pro Disziplin mit 102 Akutspitäler für weniger als 8,5 Millionen Menschen nicht aus, um die Qualität in all diesen Spitälern sicherzustellen.

Wenn für eine Operation Y für einen bestimmten Zeitraum kein Patient im Spital X aufgenommen wird, kann man nicht garantieren, dass die Kompetenzen des Chirurgen und seines Operationsteams für ebendiesen Eingriff genügend sind. Wenn ein Eingriff über einen längeren Zeitraum nicht praktiziert wurde, fehlt die notwendige Routine und die Qualität leidet.

Mindestfallzahlen

Was aber, wenn sie auf den Vorteil der Wohnortsnähe verzichten und im Gegenzug die Qualität steigt? Im Bereich der medizinischen Fachgebiete geht Zürich mit der Anwendung des Systems der Mindestfallzahlen mit gutem Beispiel voran. Indem die Spitäler des Kantons eine Mindestanzahl von Operationen pro Fachgebiet oder Arzt verlangen, tragen sie dazu bei, ein hohes Mass an Exzellenz zu gewährleisten. Wenn Sie also eine Operation benötigen, wissen Sie, dass Sie in erfahrenen Händen sind.

Wenn uns heute unsere Spitalplanung keine Gewähr dafür gibt, dass der jeweilige Eingriff mit der notwendigen Routine und Erfahrung durchgeführt wird, ist es an uns, dafür zu sorgen, dass das gewählte Krankenhaus uns die beste Qualität bieten kann. Glücklicherweise gibt es dazu eine App, die uns bei unserer Entscheidung helfen kann: Spitalfinder. Der Spitalfinder stellt Informationen zur Behandlungsqualität und Patientenzufriedenheit zur Verfügung. Dieses Tool kann eine große Hilfe sein, wenn es darum geht, zu entscheiden, wem wir unsere Gesundheit anvertrauen. Als Kunde Qualität einfordern ist  unser  gutes Recht. Wenn dieses Kriterium bei der Wahl des Kaffees eine Rolle spielt, wieso dann nicht auch bei der Spitalwahl?

Autor(in)

Generalsekretariat, Bereich Gesundheitsökonomie

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