Einheitliche Finanzierung als einfache „Kostendämpfungsmassnahme“

17. Mai 2021 | Kommentar(e) |

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Bei der einheitlichen Finanzierung der ambulanten und stationären Gesundheitskosten (EFAS), die seit über zehn Jahren im Parlament hängig ist, spricht man meistens von der Behebung von Fehlanreizen und von Systemverbesserungen. Etwas unter geht dabei die Frage nach den nachhaltigen Wirkungen auf die Prämien der obligatorischen Krankenpflegeversicherung (OKP) und auf die Gesundheitskosten im Allgemeinen. Doch auch zur Kostendämpfung taugt der Systemwechsel durch EFAS – am Schluss vielleicht gar mehr als die aktuell viel diskutierten „Kostendämpfungspakete“.

Seit Monaten diskutiert das Parlament über Massnahmenpakete zur Dämpfung der Gesundheitskosten. Doch vor lauter Paketen mit schönen Verpackungen geht der Blick für das Ganze fast verloren. Wer sieht in diesem „Päckli-Wald“ noch durch? Das erste „Paket“ wurde unterteilt in zwei Pakete. Der erste Teil des ersten Pakets steht vor der Verabschiedung im Parlament. Der zweite Teil kommt nun in den Ständerat, nachdem der Nationalrat de facto alles Wirkungsvolle gestrichen hat. Das zweite Paket kommt wohl im Februar 2022 in den Bundesrat, nachdem es in der Vernehmlassung von der gesamten Gesundheitsbranche verrissen wurde. Hä, wie bitte?
Übrig bleiben wohl kleine, schön verpackte und gut verkaufte „Päcklis“, deren marginalisierter Inhalt jedoch unter dem Weihnachtsbaum der Prämienzahler wohl kaum zu Freudensprüngen führen wird.

Zu Deutsch: Alle wollen zeigen, dass sie etwas tun, um die Gesundheitskosten und damit die OKP-Prämien zu senken. Aber viel Wirkung auf die Prämien werden diese Massnahmenpakete am Schluss wohl kaum mehr haben.

Vergessen geht in dieser Diskussion, dass im Parlament seit über zehn Jahren eine Vorlage hinaus-zerredet wird, die einen wichtigen Beitrag gegen die steigenden OKP-Prämien leisten kann. Die Vorlage zur Einheitlichen Finanzierung (EFAS) liegt schon seit über einem Jahr ohne merkliche Entwicklung in der Gesundheitskommission des Ständerates brach.

Dämpfung der Prämiensteigerung durch kantonale Mittel und Kosteneinsparungen für alle

Zugegeben, im Zeitpunkt der Umstellung auf EFAS wird noch kein Franken eingespart. Denn die Umstellung wäre für beide Finanzierungspartner (Versicherer und Kantone) zum Zeitpunkt des Inkrafttretens kostenneutral. Doch schon nach wenigen Jahren werden die Prämienzahler durch EFAS wohl merklich entlastet:

  1. Einerseits wird damit der durch die Verlagerung von stationär zu ambulant einhergehende schleichende Rückzug der Kantone aus der Finanzierung der Gesundheitskosten unterbunden. Folgende Zahlen aus dem neuesten Bericht des Departement des Innern (EDI) sprechen eine klare Sprache (S. 24, Link unten): Von 2016 bis 2030 können die Kantone ohne EFAS Kosten in der Höhe von 1,4 Mrd. Franken an die Prämienzahler überwälzen aufgrund der Verlagerung von stationär zu ambulant. Mit EFAS würden die Prämienzahler somit mit rund 100 Mio. Franken pro Jahr weniger belastet. Die sinnvolle Entwicklung von stationär zu ambulant würde somit gleichmässig auf die Kantone und die OKP verteilt.
     
  2. Andererseits käme es mit EFAS nicht nur zu einer Kostenverlagerung, sondern mittelfristig auch zu konkreten Kosteneinsparungen. Dies aus folgenden Gründen:
  • Weniger Fehlanreize an der Schnittstelle ambulant/stationär. Die sinnvolle Entwicklung der Ambulantisierung wird dadurch endlich von allen Akteuren gefördert.
  • Mehr Anreize zur integrierten Versorgung, die wiederum Kosten spart und zu einer guten Versorgung im Krankheitsfall führt.

Zu den möglichen Kosteneinsparungen mit EFAS gibt es verschiedene Schätzungen und Studien. Das EDI wägt all diese Schätzungen in seinem Bericht ab und kommt zu folgendem Schluss: „Einsparungen in der Grössenordnung von mehreren hundert Millionen Franken pro Jahr scheinen jedoch mittelfristig nicht ausgeschlossen.“

Mein Votum daher: Liebe Ständeräte, treibt die EFAS-Vorlage endlich voran. Diese führt nicht nur zu einer besseren und sachgerechteren Versorgung, sondern entlastet den Prämienzahler mittel- bis längerfristig um mehrere hundert Millionen Franken pro Jahr.  Dies jedoch nur in einer einfach umsetzbaren und nicht überladenen Form – so wie sie der Nationalrat bereits verabschiedet hat. So erhalten die Prämienzahler vielleicht doch mal noch ein ansehnliches Päckli unter dem Weihnachtsbaum.

Autor(in)

Leiterin Public Affairs, Generalsekretariat

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