Spitalplanung neu denken: Von kantonalen Grenzen zur umfassenden Versorgungsplanung

13. April 2026 | Kommentar(e) |

Luca Strebel

Die Schweiz verfügt heute über rund 275 Spitäler an 590 Standorten. Geplant werden diese jeweils von den Kantonen, die gleichzeitig als Leistungseinkäufer, Tarifgenehmiger, Spitalbetreiber und Wirtschaftsförderer auftreten. Dadurch entsteht ein komplexes Geflecht von Rollen und Interessenkonflikten.

Gleichzeitig stellen Spitäler den grössten Kostenblock im Schweizer Gesundheitswesen dar: 36,3 % der Gesamtkosten im Jahr 2023.
Eine effiziente Spitalplanung ist daher einer der zentralen Hebel zur Kostenoptimierung.
Aus diesem Grund beschäftigt sich die Groupe Mutuel intensiv mit der zukünftigen Ausgestaltung der Spitalversorgung.

Politische Realität: Viel Analyse, wenig Konsequenz

Der politische Handlungsbedarf ist erkannt. Parlamentarische Vorstösse, Aktivitäten der Gesundheitsdirektorenkonferenz (GDK) und ein aktueller Bericht des Bundesrates zeigen jedoch ein bekanntes Muster: viel Analyse, wenig Verbindlichkeit. Die GDK setzt auf einen mehrstufigen, langfristigen Prozess mit Empfehlungen statt klaren Vorgaben. Der Bundesrat will vorerst weiter beobachten.

Eine neue Studie der Universität St. Gallen im Auftrag der Fondation Groupe Mutuel zeigt deutlich, dass die Kantone ihre Spitäler an der Versorgungsrealität vorbeiplanen. Patientinnen und Patienten halten sich nicht an Kantonsgrenzen.


Zentrale Erkenntnisse:

  • 25 bis 50 % aller Behandlungen erfolgen heute bereits ausserkantonal.
  • Dies gilt sowohl für die stationäre Grundversorgung als auch für elektive Eingriffe.
  • Patientinnen und Patienten nehmen längere Fahrwege bewusst in Kauf.

Darauf kommt es wirklich an: Qualität, Expertise und Sprache – nicht Nähe oder kantonale Zuständigkeit.

Strukturelle Ineffizienzen: Deutliche Überlappungen der Leistungsaufträge

Eine zusätzliche Analyse der Auslastung der Spitäler zeigt zudem deutliche Überlappungen bei den Leistungsaufträgen benachbarter Kantone. In den meisten Kantonen erbringen ein Drittel bis vier Fünftel der Spitäler 80 bis 90 Prozent der Behandlungen innerhalb einer Leistungsgruppe. Dies weist auf strukturelle Ineffizienzen und einen klaren Koordinationsmangel hin.

Der notwendige Paradigmenwechsel: Von Spital- zu Versorgungsplanung

Für die Groupe Mutuel ist deshalb klar: Es braucht den Schritt von der reinen Spitalplanung hin zu einer umfassenden Versorgungsplanung. Diese muss sich an realen Versorgungswegen orientieren, Qualität ins Zentrum stellen und die zunehmende Ambulantisierung systematisch einbeziehen.

Vier konkrete Forderungen für die Zukunft

1. Fünf bis sieben interkantonale Gesundheitsregionen


Statt isolierter kantonaler Spitalplanung sollen überregionale Strukturen entstehen, die dem realen Patientenverhalten entsprechen.

2. Klare Verteilung der Planungsebenen

  • Hochspezialisierte Medizin: national planen
  • Spezialisierte Eingriffe: interkantonal
  • Grundversorgung: kantonal
3. Verbindliche Qualitätskriterien und qualitätsorientierte Vergütungsmodelle

Nur Qualität schafft Transparenz – und nachhaltige Versorgung.

4. Ganzheitliche Versorgung

Stationäre und ambulante Leistungen müssen gemeinsam geplant werden.

Weder Kantönligeist noch zentralistischer Dirigismus führen zu besseren Ergebnissen.
Gefordert ist ein verbindlicher Mittelweg, der…
  • pragmatisch,
  • qualitätsorientiert,
  • und konsequent an den Bedürfnissen der Patientinnen und Patienten ausgerichtet ist.

​​​​​​​Die Schweiz hat jetzt die Chance, ihre Spitallandschaft zukunftsfähig zu machen – im Interesse aller.

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